Trennen oder bleiben?

Ich möchte aus meiner Partnerschaft ausbrechen, aber soll ich mich wirklich trennen?

von Josef Gassner

Kommt dir die Frage bekannt vor? Mir kommt sie sehr bekannt vor, denn es handelt sich um eine der häufigsten Fragen in der Lebensberatung. Allerdings versteckt sich diese Frage oft hinter einer Reihe anderer Fragen, nicht nur für den Berater, sondern oft auch für den Betroffenen selbst. Es verlangt nämlich extrem viel Mut und Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, bis man sich diese Frage in aller Klarheit eingesteht. Vielleicht noch mehr Mut verlangt es aber danach, diese Frage auch ehrlich zu beantworten. Warum die Antworten darauf oft so schwierig sind, damit befasst sich mein nachstehender Artikel.

Was habe ich davon, wenn ich in der Beziehung bleibe?

Es gibt viele Gründe, warum jemand eine bestehende Beziehung nicht beendet. Allen voran ist es der Umstand, dass die bestehende Beziehung berechenbar ist. Berechenbarkeit gibt Sicherheit. So ist auch zu erklären, warum Menschen in Beziehungen bleiben, wo sie keinerlei Respekt, Achtsamkeit oder Wertschätzung erfahren, sondern im Gegenteil manchmal sogar von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt bedroht sind, Umstände die auf den ersten Blick gar nicht den Anschein von Sicherheit vermitteln. Allerdings Gewohntes gibt Sicherheit, Neues ist immer mit Unsicherheit verbunden.

Es muss aber in einer Beziehung gar nicht so spektakulär zugehen. Manchmal überlegt ein Partner aus einer Beziehung auszubrechen, obwohl in dieser Partnerschaft durchaus respektvoll miteinander umgegangen wird. Allerdings ist die ganze Beziehung nur mehr Fassade und/oder Gewohnheit. Die Partner leben nur mehr nebeneinander. Auch hier kann die Berechenbarkeit die Begründung fürs Bleiben sein, z.B. kann es, ohne jetzt gängige Klischees bedienen zu wollen, für eine Frau das gute Gehalt und der Einfluss ihres Gatten, bei einem Mann die Aussicht auf regelmäßigen Sex sein, was zum Bleiben animiert.

Was riskiere ich bei einer Trennung?

Viel, sehr viel! Trennung bedeutet Abschied, loslassen. Dieses Abschiednehmen kann sehr vieles betreffen. Partner, Kinder, Schwiegereltern, Haus, Freundeskreis, Stadt,…… Da kommt schon ganz schön viel zusammen und das kann auch mächtig Angst machen. Zudem können „Verwundete“ zurück bleiben, z.B.: Kinder als Scheidungshalbwaisen oder ein Partner, der die Scheidung nicht verstehen kann und dafür machen sie dich verantwortlich. Zudem machst du dir Selbstvorwürfe. Schlechtes Gewissen könnte dein Dauerbegleiter werden. Wenn dein Freundeskreis, in Wirklichkeit, der deines Partners war, stehst du nach der Trennung plötzlich alleine da.

Es ist daher allzu verständlich, wenn Menschen eine aussichtslose Partnerschaft einer Trennung vorziehen. Der Schritt zur Trennung erfordert einen hohen Leidensdruck oder eine starke Anziehung von außen.

Seitensprung, Affäre

Der Mensch ist sehr leidensfähig, daher ist meistens ein sehr hoher Leidensdruck notwendig, bis ein Partner eine Beziehung beenden will. Ganz anders sieht die Sache bei einer starken Anziehung von außen aus. Im Coaching heißt es häufig, ein Ziel muss sexy sein, damit man motiviert dran bleibt. Vor dem Hintergrund einer kaputten Beziehung, ist die Gefahr, dass dir ein „Sexy Ziel“ über den Weg läuft, groß. Dann genügt oft schon ein kleiner Funke um einen „Brand“ auszulösen. Endlich wirst du wieder geliebt, du hast jemanden der dich versteht und bewundert. Du darfst wieder du sein. Für solche Glücksmomente bist du bereit volles Risiko zu gehen. Zudem verlangt der/die keine Entscheidung von dir. Super, gratuliere!! (wenn es so bleibt). Eine Affäre ist spannend, sie ist ein regelmäßiger Ausflug aus dem Alltag! Aber die damit verbundenen Geheimnisse können auf Dauer mehr Stress als Genuss bedeuten. Ich habe hier keinesfalls die Absicht, moralisierend, einen Seitensprung zu verteufeln, aber er ist häufig ein Alarmsignal für den Zustand der bestehenden Beziehung.

Empfehlung

Die Situation der Entscheidung zwischen „Bleiben“ und „Trennen“ ist zweifellos ein massiver emotionaler Ausnahmezustand, daher ist es schwierig hier rational zu entscheiden. Du solltest, soweit es dir möglich ist, auf betroffene Kinder Rücksicht nehmen, den sie leiden unter jeder Trennung am meisten. Ansonsten empfehle ich dir, wirklich zu versuchen, dich ehrlich mit deinen Wünschen und Bedürfnissen, aber auch mit deinen Ängsten auseinanderzusetzen. Sie bei deinen Überlegungen nicht auszublenden, ist Voraussetzung für eine freie Entscheidung und somit ein erster Schritt zu einer neuen Freiheit, unabhängig davon, ob in der bestehenden oder in einer neuen Beziehung. Auf jeden Fall trittst du in eine neue Beziehung mit dir.

Euer Beziehungscoach

Josef Gassner

Josef Gassner
Dieser Beitrag wurde unter 50 plus, Glück, Lebensfreude, Liebe, Sehnsucht, Partnerschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <b>